Panoramalandschaft mit Meer und Bergen am Hafen von Castries in St. Lucia, Ostkaribik

Urlaubsplanung

Der Deutschen liebstes Hobby

Die Deutschen haben ihre alte Liebe wiederentdeckt: das Reisen. Nach fünf Jahren des Umbruchs durch Corona, Inflation und Ukrainekrieg kehren die Bundesbürger zu ihrem Reiseverhalten von vor der Pandemie zurück. Im vergangenen Jahr gaben sie rund 127 Milliarden Euro für Urlaub und Reisen aus – nach den 86,9 Milliarden Euro aus dem Jahr zuvor ein neuer Spitzenwert.

Michael Gneuss
Von Michael Gneuss Jürgen Ackermann
· 2025

Zwar reisen die Deutschen derzeit mehr als je zuvor – allerdings gewinnt auch beim Thema Urlaub die wirtschaftliche Entwicklung an Einfluss: Umfragen zufolge sitzt das Geld derzeit nicht so locker, wie es vor all den Krisen der vergangenen Jahre saß. Sicher ist das ein Grund, warum immer mehr Deutsche auch in diesem Jahr den Haupturlaub im eigenen Land planen. Laut der „Tourismusanalyse 2025“ der Stiftung für Zukunftsfragen wollen in diesem Jahr 29 Prozent der deutschen Urlauber nicht ins Ausland reisen.1 Das Geld ist aber nicht der alleinige Grund. Bereits seit Jahren liegt Deutschland als Reiseland im Trend. Dafür sprechen sicher nicht zuletzt die facettenreichen Regionen und malerischen Orte, die die Bundesrepublik zu bieten hat: Ob kilometerlange Traumstrände an Nord- und Ostsee, verwunschene Wanderwege im Bayerischen oder Thüringer Wald, rauschende Feste in den Weinbergen der Pfalz oder Aktivurlaub im Spreewald – die Vielfalt der deutschen Regionen ist atemberaubend. Vom Wattenmeer im Norden bis zu den Alpen im Süden bieten das Land und seine Regionen und Städte eine enorme Bandbreite an Landschaften, Kulturen und Freizeitmöglichkeiten. Warum also in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Erschienen in

Fernweh / Deutschland, was bist du schön

am 6. Mai 2025 in „Die Welt“
Bald stehen sie an – die schönsten Wochen des Jahres, in denen es warm und sonnig in Deutschland ist und für die viele Deutsche ihre Koffer packen, um andere Regionen und Länder zu erkunden. Knapp über 60 Prozent der Deutschen wollen in dieser Zeit zumindest einmal mehr als fünf...
Grafik: Tourismus-Umfrage zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen 2024
Wanderer steht vor einem Bergsee
Foto: iStock/Smileus

Urlaubsplanung: Sicherheit und Flexibilität vorn

Natürlich haben auch die Erfahrungen während der Coronapandemie das Reiseverhalten verändert. Viele Urlauber haben in den vergangenen Jahren Deutschland neu entdeckt – und sind begeistert geblieben. Reisebeschränkungen, Quarantäneregeln oder kurzfristige Flugausfälle haben die Möglichkeiten für Fernreisen in den vergangenen Jahren mitunter eingeschränkt. Dagegen punktet der Urlaub vor der Haustür mit Planungssicherheit und Flexibilität. Und auch die Bequemlichkeit spielt eine Rolle: keine Sprachbarrieren, keine fremden Währungen, keine kulturellen Unsicherheiten. Viele Urlauber schätzen es, sich im eigenen Land gut auszukennen und im Notfall auf vertraute Strukturen zurückgreifen zu können.

Aber es sind eben auch die Kosten, die die Menschen zunehmend im Auge haben. Nach der aktuellen ADAC-Tourismusstudie 2025 stellt bei fast einem Drittel der Menschen die wirtschaftliche Entwicklung einen wesentlichen Faktor bei der Urlaubsplanung dar (2024: 29 Prozent, 2022: 27 Prozent).2 Bei 32 Prozent der Befragten könnte ein knapper werdendes Budget dazu führen, dass die Urlaubsreise im laufenden Jahr sogar ganz gestrichen wird. 2022 haben dies nur 17 Prozent angenommen. „Die soziale Schere geht beim Reisen auseinander“, sagt dazu ADAC-Tourismuspräsident Karlheinz Jungbeck. 

Das Mittelmeer lockt

Auch wenn Deutschland für die Deutschen das Reiseziel Nummer eins bleibt, ist die Lust, sich in anderen Ländern Europas und weltweit zu erholen, nach wie vor groß. Auf den Destinationsrängen hinter Deutschland liegen die Mittelmeerländer Türkei, Spanien, Griechenland und Italien. Ganz klar: Die Sehnsucht nach Sonne ist und bleibt einer der Haupttreiber. Seit jeher locken in Südeuropa verlässlich warme Temperaturen und strahlend blauer Himmel. Zudem sind die touristischen Infrastrukturen in diesen Ländern hervorragend ausgebaut. Pauschal- und Individualangebote, All-inclusive-Hotels, kinderfreundliche Anlagen und deutschsprachiges Personal machen die Reise für viele angenehm unkompliziert. Gerade Familien, aber auch ältere Reisende schätzen diesen Komfort.

Eine Bucht mit einem Boot vor Felsen
Foto: iStock / Kris Hoobaer

Gute Erreichbarkeit

Ein weiterer Punkt: die gute Erreichbarkeit. Spanien und die Türkei sind per Direktflug oft schon in unter vier Stunden zu erreichen, Italien wird von vielen Urlaubern per Auto angesteuert. Die breite Auswahl an günstigen Verbindungen erleichtert die Reiseplanung zusätzlich. Aber auch Fernreisen nach Afrika, Asien oder Südamerika bleiben trotz höherer Kosten und längerer Anreisezeiten ein fester Bestandteil unter den Traumzielen der Deutschen. Immerhin haben laut Tourismusanalyse 2025 gut 17 Prozent der Befragten die Absicht, im laufenden Jahr eine Fernreise anzutreten. Für viele steht dabei nicht nur die Sehnsucht nach außergewöhnlichen Erlebnissen im Vordergrund, sondern auch das Bedürfnis nach neuen kulturellen Erfahrungen oder das Eintauchen in exotische Landschaften.

USA-Reisen brechen ein

Bemerkenswert im Bereich der Fernreisen ist, dass eines der bisher beliebtesten Ziele – die USA – in diesem Jahr einen regelrechten Buchungsabsturz erlebt. Aktuelle Aufstellungen der staatlichen Tourismusbehörde US-National Travel and Tourism Office zeigen, dass die Zahl der USA-Reisenden aus westeuropäischen Ländern im Februar stark eingebrochen ist.3 Allen voran Deutschland, wo die Behörde einen Rückgang um 8,5 Prozent im Vergleich zum Februar 2024 verzeichnet. Dabei gibt es eigentlich kein Fernreiseziel, das die Deutschen häufiger ansteuern als die USA: Mehr als zwei Millionen Menschen fliegen üblicherweise pro Jahr dorthin. Tourismusexperten führen diesen Einbruch auf die aggressive Politik von US-Präsident Donald Trump, den Selenskyj-Eklat im Weißen Haus und auf Schwierigkeiten bei der Einreise zurück. Im Gegensatz zu Reisen in die USA erfreuen sich Kreuzfahrten weiter großer Beliebtheit. Allerdings verändert sich hier das Reiseerlebnis. Immer mehr Urlauber setzen auf kleinere Schiffe, individuelle Routen und nachhaltige Angebote. Statt Massentourismus stehen Entschleunigung und Entdeckung im Fokus. Neue Antriebstechnologien und CO₂-Kompensation machen das Reisen umweltfreundlicher. Beliebte Ziele sind weiterhin das Mittelmeer, Norwegen und die Karibik. Besonders gefragt: Themenkreuzfahrten mit Kulinarik, Kultur oder Abenteuerprogramm.

Problem „Overtourism“

Bei so viel Reiselust stellt sich last but not least die Frage, wie es denn grundsätzlich mit der Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit im Tourismussektor aussieht. Scharen von Touristen vor Sehenswürdigkeiten oder in Fußgängerzonen gefragter Metropolen – fast jeder Urlauber hat das schon erlebt. Und das Problem wird immer größer. Zum Glück haben das laut der Tourismusstudie des ADAC inzwischen auch mehr als 70 Prozent der Urlauber erkannt und zeigen Verständnis für den Unmut der Menschen vor Ort. Maßnahmen zur Eindämmung von „Overtourism“ werden vielfach zustimmend beurteilt – trotz des Effekts auf eigene Reisepläne und Ausgaben.

Zahl zum Staunen

45 Prozent der Deutschen planen, in diesem Jahr genauso viel für den Urlaub ausgeben zu wollen wie im vergangenen Jahr. 17 Prozent sind bereit, sich ihren Urlaub mehr kosten zu lassen. Nur 5 Prozent möchten sparen.4

Quellen:

1 Stiftung für Zukunftsfragen: Deutsche Tourismusanalyse 2025
2 ADAC: Tourismusstudie 2025
3 reisereporter.net
4 GfK, 2025