Anders als vielfach gedacht, ziehen sich Fachwerkstädte von Elbe und Lüneburger Heide über die Oberlausitz bis zum Bodensee entlang der Deutschen Fachwerkstraße durch Deutschland. Sie stehen für das kulturelle Erbe des Mittelalters, als das Fachwerk die typische Bauweise für Häuser und Gebäude – nicht aber für Kirchen und Schlösser – darstellte. Für Besucher halten die mittelalterlichen Stadtkerne dabei einiges bereit: Sie wirken gemütlich, strahlen Ruhe und Beschaulichkeit aus und laden zum Bummeln und Erkunden ein. Sei es individuell oder mittels einer der vielen Erlebnisführungen, die in den Städten angeboten werden. Oft wird dann das mittelalterliche Leben mit seinem Handwerk überdacht und geschichtliches Interesse geweckt. Manch einer kann seine vorhandenen Geschichtskenntnisse ergänzen. In den Städten mangelt es nicht an regionalen Speisen und Getränken zum Kennenlernen und Nachkochen, an Kunsthandwerk sowie an Übernachtungsmöglichkeiten.
Schöne Fachwerkstädte: Unterschiede je nach Landstrich
Rund 2,5 Millionen Fachwerkgebäude soll es in Deutschland geben.1 Das Besondere dabei ist, dass kein Fachwerkhaus dem anderen, mithin keine Fachwerkstadt der anderen gleicht. Es gibt nicht nur eine Vielzahl regional unterschiedlicher Konstruktionsdetails sowie Schmuck- und Symbolik-Elemente, sondern vermutlich seit dem 16. Jahrhundert wurde das Fachwerk mit unterschiedlichen Farben gestrichen. Drei charakteristische Fachwerktypen regen denn auch zum weiteren Bereisen unterschiedlicher Fachwerkstädte an. Der niedersächsische Fachwerkbau begeistert durch seine reichen, geschnitzten Schmuckformen. In der westfälischniedersächsischen und auch thüringischen Gegend sind neben schwarzen besonders braune, grüne und graue Farbtöne anzutreffen. Der fränkische Stil wird von Ornamenten wie stilisierten Andreaskreuzen und Feuerböcken, Rosetten, Rauten, Schnitzwerk an Pfosten und Ständern sowie Putzintarsien geprägt, während sich das alemannische oder oberdeutsche Fachwerk durch klare Konstruktionslinien und den weiten Abstand der tragenden Ständer auszeichnet. Sowohl in der fränkischen als auch alemannischen Region überwiegen dabei stark gesättigte rote und braune Farbnuancen.
Ökologisches Vorbild
Nicht zuletzt stehen Fachwerkhäuser mit den typischen Baustoffen Holz und Lehm und den Holzgeflechten in den Zwischenräumen (Gefachen) für eine ökologische Bauweise und können heute in moderner Bauart inklusive aktueller Energiestandards errichtet werden. Auch das ist ein lohnender Grund, der nächsten Fachwerkstadt einen Besuch abzustatten.
Für Besucher halten die mittelalterlichen Stadtkerne einiges bereit.
Fachwerk im Trend
Laut einer Untersuchung des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg nimmt das Interesse an Fachwerkstädten kontinuierlich zu.3 Auch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung betont in einer aktuellen Publikation die Relevanz historischer Stadtkerne für regionalen Tourismus und nachhaltige Stadtentwicklung.
Ein lesenswerter Überblick über besonders sehenswerte Orte entlang der Route findet sich im Beitrag „Die schönsten Orte an der Deutschen Fachwerkstraße“. Solvejg Hoffmann stellt zehn Fachwerkstädte zwischen Elbe und Bodensee vor und betont ihre kulturelle Bedeutung ebenso wie ihren touristischen Charme.4
Fazit: Fachwerk als Brücke zwischen Gestern und Morgen
Ob als Reiseziel, architektonisches Kleinod oder Inspiration für modernes Bauen: Deutschlands Fachwerkstädte bieten ein einzigartiges Gesamtpaket aus Geschichte, Regionalität und Nachhaltigkeit. Wer bewusst reist, findet hier nicht nur schöne Kulissen, sondern auch authentische Einblicke in das kulturelle Erbe des Landes.