Schweden und Österreich sind bei der Umsetzung von Tierschutz und Tierwohl derzeit weltweit führend. Die Tierschutzorganisation World Animal Protection stuft Deutschland unter 50 Staaten nur mit der Gesamtnote „C“ ein. Es gibt offensichtlich Nachholbedarf. Auf der politischen Agenda stand eine Novelle des Tierschutzgesetzes. Im September fand die erste Lesung im Bundestag statt. Doch nach dem Ampel-Aus ist die Gesetzesänderung gescheitert, die etwa die Verpflichtung zu Videoaufzeichnungen in Schlachthöfen gebracht hätte.
Fokus Tierschutz: Förderung für tiergerechte Ställe
Seit 2023 gibt es in Deutschland das Gesetz zur verpflichtenden Tierhaltungskennzeichnung, das mehr Klarheit für Verbraucherinnen und Verbraucher und zugleich Anreize für tierfreundlichere Haltungsbedingungen schaffen soll. Es braucht aber eine langfristige Veränderung, bei der sich eine am Tierwohl orientierte Haltung wirtschaftlich mehr lohnt als industrielle Massentierhaltung. Eine beispielhafte Initiative ist das „Bundesprogramm zum Umbau der Tierhaltung“. Hiermit werden landwirtschaftliche Betriebe bei der Umstellung auf tiergerechtere Ställe gefördert. Um den Betrieben Planungssicherheit zu geben, beläuft sich die Förderlaufzeit auf derzeit sieben Jahre.
Angebote für Weiterbildung
Bereits 2017 wurde auf EU-Ebene die „Plattform für Tierschutz“ gegründet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Dialog zwischen Behörden, Wirtschaft, Wissenschaft und Tierschutzorganisationen zu intensivieren. Im Mai 2024 wurde der vierte Aktionsplan für den Zeitraum bis 2026 beschlossen, um weitere Fortschritte etwa bei Transport oder Schlachtung zu erreichen. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit sind Beratung und Weiterbildung. Denn gerade mit Blick auf den Klimawandel und das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen sollte das Thema eigentlich ganz oben auf der Agenda stehen. Bei besserem Tierschutz geht es nicht nur um Ethik. Rund 14,5 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen entstehen bei der Tierhaltung. Im Vergleich zu pflanzlichen Nahrungsmitteln werden deutlich mehr Ressourcen verbraucht. Bisher spiegeln sich diese hohen Umweltkosten nicht in den Preisen wider, und Expertinnen kritisieren das Zögern der Politik, lieb gewonnene Privilegien der Fleischessenden infrage zu stellen.