Spenden für die gute Sache hat in Deutschland eine lange Tradition. Von Anfang an war das Ziel des Geldspendens, Armut und soziale Probleme abzumildern. Nicht zuletzt auch deshalb, um Aufruhr oder gar revolutionäre Bestrebungen zu vermeiden. Im vergangenen Jahrhundert dann, als der Staat durch sozialfürsorgliche Aufgaben allmählich überlastet war, galt es, diesen mit der Finanzierung gemeinwohlorientierter Aktivitäten zu entlasten. Bis heute werden mit Spenden vorrangig karitative Einrichtungen unterstützt, die auf diese Gelder angewiesen sind, aber auch bei aktuellen Krisen, Katastrophen oder Unglücken wird Menschen in Not geholfen.
So haben im Jahr 2021 rund 20 Millionen Deutsche laut der GfK-Studie „Bilanz des Helfens“, die jährlich im Auftrag des Deutschen Spendenrats durchgeführt wird, rund 5,8 Milliarden Euro gespendet. Dies ist nicht nur das höchste Ergebnis seit 2005, sondern gegenüber 2020 ein Anstieg um sieben Prozent. Dabei spenden Frauen, Ältere, Angehörige der beiden christlichen Kirchen und ehrenamtlich Tätige am meisten.
Trotz allem ist Deutschland nicht Spendenweltmeister. Mit einem Anteil von circa 31 Prozent der Bevölkerung liegt es laut World Giving Index auf Platz 20 von 126 Ländern. Die höchste Spendenbereitschaft findet sich indes im südostasiatischen Myanmar, gefolgt von Thailand, den Niederlanden und Malta. In allen Fällen, heißt es in der Studie, seien religiöse Gründe die Hauptursache für die Bereitschaft zu geben.
Finanzielle Unterstützung in der Weihnachtszeit: Unterschiedliche Motive
Auch wenn Spenden eine schöne Tradition ist, sagt diese nichts über die Motive. Laut Paul Slovic, Psychologieprofessor an der University of Oregon, der zum Thema geforscht hat, gibt es auf der einen Seite emotionale Gründe wie Mitleid, Dankbarkeit oder Freude am Geben. Sie herrschen vor allem bei Katastrophen vor, wenn Menschen mit ihrer Spende helfen oder sich dankbar zeigen wollen. Auf der anderen Seite sind rationale Gründe verantwortlich: Steuervorteile oder die Aussicht auf einen Gewinn. Beide Motive vermischen sich, wenn jemand aus Verantwortungsbewusstsein beispielsweise für ökologische Projekte spendet.
Doch auch die besten Motive sind eigennützig. Selbst der größte Altruist verschafft sich Zufriedenheit dadurch, dass mit seiner Spende Betroffenen geholfen wird und die unterstützte Organisation etwas Gutes bewirkt. Auch freut er sich über das Ergebnis von Spendenaktionen. Nur wenig altruistisch sind diejenigen, die eine Befriedigung daraus ziehen, dass sie moralisch richtig handeln.
Mehr Spenden bei aktuellen Krisen
Letztlich spielt es keine Rolle, warum Menschen spenden, wenn Organisationen damit ihrem Hilfsauftrag gerecht werden können. Allerdings stellt sich die Frage, warum die eine Aktion riesige Spendengelder erhält, andere Aufrufe aber kaum Beachtung finden. Hauptgründe dafür sind Aktualität und räumliche Nähe. Wenn die Medien mit der Berichterstattung über eine Krise oder Katastrophe voll sind und sich diese vielleicht noch im eigenen Land ereignet hat, spenden Menschen eher. Ist eine Krise dagegen dauerhaft oder wird ein Land immer wieder mit Krisen in Verbindung gebracht, nimmt die Aufmerksamkeit der Medien ab – und damit auch das Spendenvolumen. Es kann aber auch ein Gewöhnungseffekt eintreten, der dazu führt, dass man die Hilfe als sinnlos erachtet. Dennoch, und das ist wichtig, sind Hilfsorganisationen in diesen Teilen der Welt meist weiterhin aktiv.
Die Spendenbereitschaft der Deutschen könnte nach jahrelangem Hoch indes zurückgehen. Ein Großteil schränkt sich angesichts der aktuell hohen Inflation schon längst ein: Sie sparen an Lebensmitteln, Strom und Kleidung. Auch die Urlaubsreise steht bei vielen auf dem Prüfstand. Dass manche die Hilfe für die Bedürftigen einschränken oder ganz streichen, erscheint fast schon konsequent.